Brauereien Deutschland – Zahl sinkt auf 1.415 Betriebe
Brauereien in Deutschland 2025: Zahl sinkt auf 1.415 – kleine Betriebe besonders unter Druck
Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist im Jahr 2025 auf nur noch 1.415 Betriebe gesunken. Gegenüber 2024 verschwanden damit netto 53 Brauereien aus der Statistik. Im Vergleich zum Rekordjahr 2019 gibt es sogar 137 Brauereien weniger.
Parallel dazu brach der Bierabsatz 2025 um 6 Prozent ein. Die deutsche Brauwirtschaft befindet sich damit nicht mehr nur in einer vorübergehenden Absatzflaute. Sie steckt in einem tiefgreifenden Strukturwandel, der vor allem kleinere und mittelständische Brauereien vor schwierige Entscheidungen stellt.
Die wichtigsten Zahlen zur deutschen Brauwirtschaft
| Kennzahl | Stand 2025 | Veränderung |
|---|---|---|
| Brauereien in Deutschland | 1.415 | 53 weniger als 2024 |
| Rückgang gegenüber 2024 | 3,6 % | deutlicher Jahresrückgang |
| Rückgang gegenüber 2019 | 137 Brauereien | 8,8 % |
| Brauereien in Bayern | 588 | bundesweit höchster Wert |
| Brauereien in Baden-Württemberg | 190 | zweithöchster Wert |
| Brauereien in Nordrhein-Westfalen | 131 | dritthöchster Wert |
| Kleine Brauereien bis 100.000 Liter | 821 | rund 58 % aller Brauereien |
| Größte Klasse ab 200 Millionen Liter | 8 Brauereien | starke Marktkonzentration |
| Bierabsatz 2025 | rund 7,8 Milliarden Liter | 6,0 % weniger als 2024 |
| Bierabsatz gegenüber 2019 | 15,7 % niedriger | langfristiger Rückgang |
Die Zahl der Brauereien ging in nahezu allen Größenklassen zurück. Lediglich acht Brauereien gehörten 2025 zur größten Kategorie mit einer jährlichen Biererzeugung von mindestens 200 Millionen Litern.
Mehr als die Hälfte aller Betriebe erzeugte dagegen höchstens 100.000 Liter Bier pro Jahr. Gerade diese kleinen Brauereien prägen vielerorts die regionale Vielfalt, verfügen aber häufig nur über begrenzte finanzielle Reserven.
Bayern bleibt Brauereiland Nummer eins
Mit 588 Brauereien bleibt Bayern der mit Abstand bedeutendste Brauereistandort Deutschlands. Rund vier von zehn deutschen Brauereien befinden sich damit im Freistaat.
Auf Bayern folgen:
- Baden-Württemberg mit 190 Brauereien
- Nordrhein-Westfalen mit 131 Brauereien
- die übrigen Bundesländer mit jeweils deutlich geringeren Betriebszahlen
Doch auch Bayern ist vom Strukturwandel besonders stark betroffen. Zwischen 2019 und 2025 sank die Zahl der bayerischen Brauereien von 648 auf 588. Das entspricht einem Verlust von 60 Braustätten innerhalb von sechs Jahren.
In Nordrhein-Westfalen fiel die Zahl im selben Zeitraum von 162 auf 131. Prozentual war der Rückgang dort mit rund 19 Prozent besonders deutlich.
In den meisten Bundesländern gab es 2025 weniger Brauereien als im Vorjahr. Ausnahmen bildeten Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Brauereien Deutschland – Zahl sinkt Infografik
53 Brauereien weniger sind nicht automatisch 53 Insolvenzen
In der öffentlichen Berichterstattung wird der Rückgang schnell als „Brauerei-Sterben“ bezeichnet. Der Begriff beschreibt die Entwicklung anschaulich, muss jedoch sachlich eingeordnet werden.
Aus dem statistischen Rückgang lässt sich nicht unmittelbar ablesen, wie viele Unternehmen tatsächlich einen Insolvenzantrag gestellt haben.
Eine Brauerei kann aus der Statistik verschwinden, weil sie:
- insolvent geworden ist,
- freiwillig geschlossen wurde,
- keine eigene Bierproduktion mehr betreibt,
- mit einem anderen Unternehmen verschmolzen wurde,
- nur noch als Marke weitergeführt wird,
- von einer größeren Brauereigruppe übernommen wurde,
- wegen fehlender Unternehmensnachfolge aufgegeben wurde,
- ihre Produktion vollständig an einen Lohnbrauer ausgelagert hat.
Der Rückgang bleibt dennoch ein ernstes Warnsignal. Innerhalb nur eines Jahres verringerte sich die Zahl der Brauereien um 3,6 Prozent. Damit hat sich die Konsolidierung der deutschen Brauwirtschaft spürbar beschleunigt.
Der Bierabsatz fällt unter acht Milliarden Liter
Noch deutlicher als die Zahl der Betriebe sank 2025 der Bierabsatz. Brauereien und Bierlager verkauften rund 7,8 Milliarden Liter Bier.
Das waren ungefähr 497 Millionen Liter weniger als im Jahr 2024. Der Bierabsatz fiel damit erstmals unter die Marke von acht Milliarden Litern.
Gegenüber 2019 beträgt das Minus 15,7 Prozent. Verglichen mit 2015 ging der Absatz sogar um knapp 19 Prozent zurück.
Bei der Einordnung ist eine methodische Besonderheit zu beachten: Alkoholfreie Biere und Malztrunk sind in der klassischen Bierabsatzstatistik nicht enthalten. Auch bestimmte Bierimporte werden nicht erfasst.
Der Rückgang betrifft deshalb vor allem den Markt für klassisches alkoholhaltiges Bier.
Der Druck hält auch 2026 an
Die angespannte Entwicklung endete nicht mit dem Jahreswechsel. Auch im ersten Halbjahr 2026 lag der Bierabsatz unter dem Niveau des Vorjahres.
Zwar können einzelne Monate durch gutes Wetter, Großveranstaltungen, Fußballturniere oder Feiertage positiv ausfallen. Eine nachhaltige Trendwende lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten.
Für Brauereien ist nicht ein einzelner erfolgreicher Sommermonat entscheidend. Wichtig ist, ob der Absatz über mehrere Quartale hinweg ausreicht, um:
- Rohstoffe zu bezahlen,
- Löhne und Sozialabgaben zu bedienen,
- Energiekosten zu tragen,
- Darlehen zu tilgen,
- Anlagen instand zu halten,
- notwendige Investitionen zu finanzieren,
- Rücklagen für schwächere Monate zu bilden.
Sinkende Absatzmengen können deshalb auch dann gefährlich werden, wenn der Umsatz auf den ersten Blick noch relativ stabil erscheint.
Warum kleinere Brauereien besonders gefährdet sind
821 der insgesamt 1.415 Brauereien erzeugten 2025 höchstens 100.000 Liter Bier. Damit gehören rund 58 Prozent aller deutschen Brauereien zur kleinsten statistischen Größenklasse.
Gerade diese Betriebe können durch regionale Bekanntheit, Direktverkauf, eigene Gastronomie, Veranstaltungen und besondere Biersorten erfolgreich sein.
Gleichzeitig fehlt ihnen häufig die notwendige Größenordnung, um steigende Kosten auf große Produktionsmengen zu verteilen.
Eine Brauerei benötigt unabhängig von ihrer tatsächlichen Auslastung:
- ein Sudhaus,
- Gär- und Lagertanks,
- Kühlanlagen,
- eine zuverlässige Energieversorgung,
- Reinigungs- und Wasseraufbereitungssysteme,
- Abfüll- oder Fassanlagen,
- Lagerflächen,
- Mehrwegflaschen und Leergut,
- Qualitätskontrollen,
- Fahrzeuge und Logistik,
- qualifiziertes Fachpersonal,
- regelmäßige technische Prüfungen,
- laufende Wartung und Instandhaltung.
Sinkt die Produktionsmenge, bleiben viele dieser Kosten zunächst bestehen. Die Kosten je verkauftem Liter steigen.
Gleichzeitig können höhere Verkaufspreise nur begrenzt durchgesetzt werden. Getränkehändler, Gaststätten und Verbraucher stehen selbst unter wirtschaftlichem Druck und reagieren empfindlich auf Preissteigerungen.
Mehrere Belastungen treffen gleichzeitig zusammen
Die Krise vieler Brauereien lässt sich nicht auf einen einzigen Grund reduzieren. Häufig treffen mehrere Belastungen gleichzeitig aufeinander.
Sinkender Bierkonsum
Der klassische Bierkonsum geht seit Jahren zurück. Veränderte Lebensgewohnheiten, Gesundheitsbewusstsein, eine alternde Bevölkerung und der zunehmende Verzicht auf Alkohol beeinflussen die Nachfrage.
Auch jüngere Verbraucher greifen häufig seltener zu klassischem Bier als frühere Generationen.
Schwache Gastronomie
Regionale Brauereien sind eng mit Gaststätten, Hotels, Vereinsheimen, Festveranstaltern und Biergärten verbunden.
Schließt ein Gastronomiebetrieb oder reduziert seine Bestellungen, verliert die Brauerei nicht nur Absatz. Oft gehen zugleich eine Schankanlage, ein wichtiger Werbestandort und eine langfristige Kundenbeziehung verloren.
Höhere Energiekosten
Brauen, Kühlen, Reinigen und Abfüllen sind energieintensiv. Besonders die dauerhafte Kühlung und die Erzeugung von Prozesswärme verursachen erhebliche Kosten.
Kleine Brauereien können kurzfristige Energiepreissteigerungen häufig schlechter abfedern als große Konzerne.
Steigende Personalkosten
Brauereien benötigen qualifizierte Fachkräfte. Brauer, Mälzer, Techniker, Fahrer, Vertriebsmitarbeiter und Anlagenführer sind vielerorts schwer zu finden.
Neben steigenden Löhnen belasten auch Zuschläge, Sozialabgaben, Krankheitsausfälle und die Einarbeitung neuer Mitarbeiter die Betriebe.
Höhere Verpackungs- und Logistikkosten
Flaschen, Kästen, Kronkorken, Etiketten, Kartonagen, Paletten und Transportkosten verteuern die Produktion.
Bei kleinen Produktionsmengen wirken sich bereits geringe Preissteigerungen deutlich auf die Marge je Flasche aus.
Investitionsstau
Tanks, Kälteanlagen, Abfülltechnik, Fahrzeuge und Gebäudetechnik müssen regelmäßig erneuert werden.
Werden notwendige Investitionen wegen fehlender Liquidität immer wieder verschoben, steigen Reparaturkosten und Ausfallrisiken. Gleichzeitig sinkt die Produktivität.
Geringere Finanzierungsspielräume
Schwache Jahresabschlüsse, sinkende Umsätze und eine dünner werdende Eigenkapitalbasis erschweren neue Bankfinanzierungen.
Investitionen müssen dann möglicherweise aus der ohnehin angespannten laufenden Liquidität bezahlt werden. Dadurch kann selbst ein grundsätzlich profitabler Betrieb in eine Finanzierungskrise geraten.
Nicht jede verkaufte Flasche bringt Gewinn
Ein hoher Absatz bedeutet nicht automatisch, dass eine Brauerei wirtschaftlich arbeitet.
Entscheidend ist, welcher Deckungsbeitrag nach Abzug der unmittelbar zurechenbaren Kosten übrig bleibt. Dazu gehören unter anderem:
- Rohstoffe,
- Energie,
- Verpackung,
- Abfüllung,
- Transport,
- Provisionen,
- Rabatte,
- Rückvergütungen,
- Leergutverluste,
- Werbekostenzuschüsse,
- Finanzierungskosten langer Zahlungsziele.
Eine Biersorte kann sich gut verkaufen und dennoch Verluste verursachen, wenn die Produktionsmenge zu klein, die Verpackung zu teuer oder der Verkaufspreis zu niedrig ist.
Dasselbe gilt für einzelne Kunden. Ein umsatzstarker Gastronomiebetrieb kann nach Berücksichtigung von Rabatten, kostenlos bereitgestellten Schankanlagen, Gläsern, Sonnenschirmen, Kühlgeräten und langen Zahlungszielen unprofitabel sein.
Alkoholfreies Bier wächst gegen den Markttrend
Während der klassische Bierabsatz sinkt, entwickelt sich alkoholfreies Bier deutlich besser.
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland mehr als 600 Millionen Liter alkoholfreies Bier produziert. Die Produktionsmenge stieg gegenüber dem Vorjahr erneut an.
Alkoholfreies Bier profitiert von mehreren Entwicklungen:
- wachsendem Gesundheitsbewusstsein,
- verändertem Konsumverhalten,
- einer größeren Auswahl,
- deutlich verbesserter Produktqualität,
- dem Wunsch nach Genuss ohne Alkohol,
- einer stärkeren Nachfrage im Sport- und Freizeitbereich,
- gesellschaftlich sinkender Akzeptanz hohen Alkoholkonsums.
Für Brauereien bietet alkoholfreies Bier damit eine reale Wachstumschance. Es ist jedoch keine automatische Rettung für jeden Betrieb.
Der erfolgreiche Einstieg verlangt:
- eine überzeugende Rezeptur,
- gleichbleibende Produktqualität,
- geeignete Verfahren zur Alkoholreduzierung,
- kontrollierte Haltbarkeit,
- professionelle Abfüllung,
- Marketing und Markenaufbau,
- Zugang zum Einzelhandel,
- ausreichende Produktionsmengen,
- Investitionen in Technik oder Lohnproduktion.
Für kleinere Brauereien kann eine Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Produktionspartner wirtschaftlich sinnvoller sein als der sofortige Aufbau einer eigenen Entalkoholisierungsanlage.
Regionale Bekanntheit allein reicht nicht mehr aus
Viele kleine Brauereien verfügen über einen bekannten Namen, eine lange Geschichte und eine starke regionale Identität.
Diese Werte können wirtschaftlich wichtig sein. Sie schaffen Kundenbindung, erleichtern den Direktverkauf und unterscheiden die Brauerei von industriellen Massenanbietern.
Tradition allein bezahlt jedoch keine Rechnungen.
Eine starke Marke muss in ein tragfähiges Geschäftsmodell übersetzt werden. Dazu können gehören:
- Direktverkauf ab Brauerei,
- eigener Onlineshop,
- Brauereiführungen,
- Veranstaltungen,
- Gastronomie,
- regionale Spezialitäten,
- alkoholfreie Sorten,
- saisonale Produkte,
- Kooperationen mit Hotels,
- Tourismusangebote,
- Geschenkpakete,
- Firmenpräsente,
- Lohnbrauen für andere Marken,
- Vermietung von Veranstaltungsflächen.
Entscheidend ist, welche Angebote tatsächlich einen ausreichenden Deckungsbeitrag erwirtschaften.
Diese Krisensignale sollten Brauereien ernst nehmen
Eine Unternehmenskrise beginnt nicht erst, wenn Löhne oder Steuern nicht mehr bezahlt werden können.
In vielen Brauereien kündigt sich die Krise Monate oder sogar Jahre vorher an.
Besonders kritisch sind folgende Entwicklungen:
- Der Absatz sinkt über mehrere Quartale.
- Der Umsatz steigt nur noch aufgrund von Preiserhöhungen.
- Die verkaufte Menge geht deutlich zurück.
- Preiserhöhungen gleichen die gestiegenen Kosten nicht aus.
- Der Rohertrag je Liter nimmt ab.
- Kontokorrentlinien werden dauerhaft vollständig genutzt.
- Lieferanten verlangen Vorkasse oder kürzere Zahlungsziele.
- Fällige Rechnungen werden nach Dringlichkeit ausgewählt.
- Investitionen und notwendige Reparaturen werden verschoben.
- Tilgungsleistungen können nur noch aus neuen Krediten bezahlt werden.
- Gesellschafter müssen regelmäßig privates Geld zuführen.
- Steuerzahlungen werden hinausgeschoben.
- Sozialversicherungsbeiträge können nicht pünktlich gezahlt werden.
- Mitarbeiter erhalten ihre Löhne verspätet.
- Die Liquiditätsplanung endet beim aktuellen Kontostand.
- Einzelne Produkte verursachen dauerhaft Verluste.
- Gastronomiekunden zahlen immer später.
- Die Brauerei besitzt wertvolle Immobilien oder Anlagen, verfügt aber kaum über freie Liquidität.
Je früher diese Signale erkannt werden, desto größer bleibt der unternehmerische Handlungsspielraum.

Brauereien Deutschland – Zahl sinkt
Was eine gefährdete Brauerei jetzt prüfen sollte
1. Liquiditätsplanung für mindestens 13 Wochen
Der aktuelle Bankbestand reicht als Steuerungsgröße nicht aus. Erforderlich ist eine rollierende Planung sämtlicher erwarteter Ein- und Auszahlungen.
Dazu gehören:
- Kundenzahlungen,
- Einkauf von Malz, Hopfen und weiteren Rohstoffen,
- Verpackungsmaterial,
- Energiekosten,
- Löhne und Gehälter,
- Sozialabgaben,
- Steuern,
- Mieten und Pachten,
- Darlehensraten,
- Leasingzahlungen,
- Reparaturen,
- Versicherungen,
- saisonale Absatzschwankungen.
So wird sichtbar, wann eine konkrete Finanzierungslücke entsteht und ob sie nur vorübergehend oder strukturell ist.
2. Deckungsbeiträge nach Produkt berechnen
Jede Biersorte sollte einzeln betrachtet werden.
Zu prüfen sind insbesondere:
- tatsächliche Produktionskosten,
- Verpackungskosten,
- Ausschuss und Verluste,
- Mindestmengen,
- Lagerdauer,
- Verkaufspreise,
- Rabatte,
- Rückvergütungen,
- Transportkosten,
- Vertriebskosten.
Traditionelle Produkte dürfen nicht allein deshalb weitergeführt werden, weil sie seit Jahrzehnten zum Sortiment gehören.
3. Vertriebswege getrennt auswerten
Die Wirtschaftlichkeit sollte nicht nur nach Biersorte, sondern auch nach Vertriebsweg berechnet werden.
Wichtige Bereiche sind:
- Fassbier,
- Flaschenbier,
- Dosenbier,
- Eigenmarken,
- Handelsmarken,
- Gastronomie,
- Getränkefachgroßhandel,
- Lebensmitteleinzelhandel,
- Direktverkauf,
- Onlineshop,
- Veranstaltungen,
- Export,
- Lohnbrauen.
Ein hoher Umsatz über den Einzelhandel kann beispielsweise deutlich niedrigere Margen bringen als ein kleinerer Direktverkauf ab Brauerei.
4. Sortiment konsequent bereinigen
Eine große Produktvielfalt wirkt attraktiv, kann aber teuer sein.
Jede zusätzliche Sorte benötigt:
- eigene Rohstoffe,
- Etiketten,
- Verpackungen,
- Lagerflächen,
- Produktionsplanung,
- Reinigung,
- Qualitätskontrolle,
- Vertriebsunterlagen,
- Marketing.
Schwache Sorten binden Kapital und Arbeitszeit. Ein kleineres, klar positioniertes Sortiment kann profitabler sein als eine breite Produktpalette mit geringen Stückzahlen.
5. Gastronomie-Forderungen kontrollieren
Überfällige Forderungen gegenüber Gaststätten können für regionale Brauereien ein erhebliches Risiko darstellen.
Lieferungen sollten nicht allein deshalb fortgesetzt werden, weil eine langjährige Geschäftsbeziehung besteht.
Regelmäßig geprüft werden sollten:
- offene Rechnungen,
- Zahlungsziele,
- Ratenzahlungsvereinbarungen,
- Sicherheiten,
- Eigentum an Schankanlagen,
- gewährte Darlehen,
- Miet- oder Pachtverträge,
- Rückgaberechte für Inventar.
Gerät ein Gastronomiebetrieb selbst in eine Krise, kann die Brauerei gleichzeitig Forderungen, Absatz und bereitgestelltes Inventar verlieren.
6. Anlagevermögen realistisch bewerten
Viele Brauereien besitzen wertvolle Grundstücke, Gebäude, Maschinen oder Markenrechte. Der bilanzielle Wert sagt jedoch wenig darüber aus, welcher Preis im Verkaufsfall tatsächlich erzielt werden kann.
Zu prüfen sind:
- Marktwert der Immobilie,
- alternative Nutzungsmöglichkeiten,
- Belastungen im Grundbuch,
- Zustand der technischen Anlagen,
- Demontagekosten,
- Nachfrage nach gebrauchten Brauanlagen,
- Wert der Marke,
- Übertragbarkeit von Verträgen,
- Umwelt- und Altlastenrisiken.
Eine Brauerei kann bilanziell über ein hohes Vermögen verfügen und trotzdem zahlungsunfähig werden, wenn dieses Vermögen nicht kurzfristig in Liquidität umgewandelt werden kann.
7. Strategische Partner frühzeitig ansprechen
Mögliche Lösungen können sein:
- gemeinsame Produktion,
- Lohnbrauen,
- gemeinsame Logistik,
- Kooperation beim Einkauf,
- gemeinsame Nutzung von Abfüllanlagen,
- Übernahme einzelner Marken,
- Verkauf von Vertriebsrechten,
- Beteiligung eines Investors,
- Zusammenschluss mit einer anderen Brauerei,
- Verkauf des Unternehmens,
- Trennung von Immobilie und operativem Betrieb.
Solche Lösungen lassen sich deutlich besser verhandeln, solange der Betrieb noch über Liquidität und operative Handlungsfähigkeit verfügt.
Wann aus der Absatzkrise ein Insolvenzrisiko wird
Nicht jeder Absatzrückgang führt unmittelbar zu einer Insolvenz. Gefährlich wird die Situation, wenn die laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr zuverlässig erfüllt werden können.
Kann eine Brauerei-GmbH ihre fälligen Zahlungspflichten nicht mehr erfüllen, muss unverzüglich geprüft werden, ob Zahlungsunfähigkeit im Sinne der Insolvenzordnung vorliegt.
Bei juristischen Personen kann außerdem eine Überschuldung relevant werden. Dabei kommt es nicht allein auf die bilanziellen Schulden an. Entscheidend ist unter anderem, ob eine positive Fortführungsprognose besteht.
Geschäftsführer dürfen nicht davon ausgehen, dass die gesetzlichen Höchstfristen automatisch als allgemeine Wartezeit genutzt werden können. Ein Insolvenzantrag ist ohne schuldhaftes Zögern zu stellen, sobald ein Insolvenzgrund festgestellt wurde.
Spätestens bei folgenden Anzeichen ist eine belastbare Prüfung erforderlich:
- Das Finanzamt vollstreckt.
- Krankenkassen melden Zahlungsrückstände.
- Löhne können nicht pünktlich gezahlt werden.
- Banken sperren Konten oder kündigen Kreditlinien.
- Lieferanten liefern nur noch gegen Vorkasse.
- Der Energieversorger droht mit einer Versorgungssperre.
- Lastschriften werden regelmäßig zurückgegeben.
- Darlehensraten werden ausgesetzt.
- Gesellschafterdarlehen ersetzen dauerhaft die operative Liquidität.
- Neue Schulden werden aufgenommen, um alte Verbindlichkeiten zu bezahlen.
In dieser Phase reicht eine gewöhnliche betriebswirtschaftliche Auswertung häufig nicht mehr aus. Benötigt werden ein belastbarer Liquiditätsstatus, eine kurzfristige Liquiditätsplanung und eine Prüfung möglicher Insolvenzgründe.
Brauerei verkaufen, sanieren oder geordnet schließen?
Nicht jede angeschlagene Brauerei muss zwangsläufig in die Insolvenz gehen. Je nach wirtschaftlicher Lage können unterschiedliche Wege sinnvoll sein.
Operative Sanierung
Eine operative Sanierung kommt infrage, wenn der Kernbetrieb grundsätzlich rentabel ist, aber Kosten, Sortiment, Finanzierung oder Vertriebsstruktur angepasst werden müssen.
Mögliche Maßnahmen sind:
- unrentable Sorten einstellen,
- Personalplanung anpassen,
- Abfüllung auslagern,
- Logistik bündeln,
- Direktvertrieb ausbauen,
- Energieverbrauch reduzieren,
- Verträge neu verhandeln,
- unrentable Kundenbeziehungen beenden,
- nicht benötigte Vermögenswerte verkaufen.
Finanzielle Restrukturierung
Besteht das Hauptproblem in einer zu hohen Finanzierungslast, können Gespräche mit Banken, Leasinggesellschaften, Vermietern und Gesellschaftern erforderlich werden.
Mögliche Lösungen sind:
- Tilgungsaussetzung,
- Laufzeitverlängerung,
- Umschuldung,
- Rangrücktritt,
- Zuführung von Eigenkapital,
- Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte,
- Sale-and-Lease-Back,
- Stundungsvereinbarungen.
Voraussetzung ist regelmäßig ein nachvollziehbares Sanierungskonzept.
Investor oder strategischer Partner
Eine größere Brauereigruppe, ein regionaler Investor, ein Getränkehändler oder ein Gastronomieunternehmen kann Interesse an der Marke, dem Kundenstamm, den Produktionskapazitäten oder der Immobilie haben.
Ein strategischer Käufer bewertet häufig nicht nur die aktuellen Gewinne. Auch folgende Werte können interessant sein:
- regionale Marktstellung,
- eingeführte Marken,
- Lieferverträge,
- Gastronomiekunden,
- Rezepturen,
- Produktionsgenehmigungen,
- Grundstücke,
- Wasserrechte,
- Abfüllkapazitäten,
- qualifizierte Mitarbeiter.
Unternehmensverkauf
Auch eine Brauerei mit Verbindlichkeiten kann grundsätzlich verkauft werden.
Entscheidend sind jedoch:
- die Vermögenslage,
- die Liquidität,
- bestehende Sicherheiten,
- persönliche Bürgschaften,
- steuerliche Risiken,
- Pensionsverpflichtungen,
- Umweltverpflichtungen,
- Eigentumsverhältnisse,
- mögliche Insolvenzreife.
Ein Verkauf darf nicht dazu dienen, gesetzliche Pflichten zu umgehen oder die wirtschaftliche Situation gegenüber Erwerbern und Gläubigern zu verschleiern.
Verkauf einzelner Vermögenswerte
Manchmal ist nicht die gesamte Gesellschaft verkäuflich, wohl aber ein Teil des Betriebs.
Dazu können gehören:
- Markenrechte,
- Rezepturen,
- Kundenlisten,
- Grundstücke,
- Gebäude,
- Sudhaus,
- Gär- und Lagertanks,
- Abfüllanlagen,
- Fahrzeuge,
- Gastronomieinventar,
- Veranstaltungsflächen.
Dabei muss geprüft werden, ob der Verkauf einzelner Vermögenswerte die verbleibende Gesellschaft noch fortführungsfähig lässt.
Trennung von Immobilie und Brauereibetrieb
Bei traditionellen Brauereien steckt ein erheblicher Teil des Wertes häufig in der Immobilie.
Eine mögliche Lösung kann darin bestehen, Grundstück und Gebäude zu verkaufen und den Brauereibetrieb anschließend als Mieter fortzuführen.
Das kann kurzfristig Liquidität schaffen. Es entstehen jedoch langfristige Mietverpflichtungen. Deshalb muss genau geprüft werden, ob die künftige Miete aus dem operativen Ergebnis tragbar ist.
Geordnete Betriebsaufgabe
Ist eine dauerhafte Fortführung wirtschaftlich nicht realistisch, kann eine frühzeitig geplante Stilllegung bessere Ergebnisse ermöglichen als ein unkontrollierter Zusammenbruch.
Eine geordnete Aufgabe kann ermöglichen:
- Lagerbestände kontrolliert zu verkaufen,
- Verträge fristgerecht zu beenden,
- Mitarbeiter frühzeitig zu informieren,
- Anlagen geordnet zu verwerten,
- Kundenbeziehungen zu übertragen,
- Markenrechte zu verkaufen,
- persönliche Haftungsrisiken zu begrenzen.
Voraussetzung ist, dass keine insolvenzrechtlichen Pflichten verletzt werden.
Die Unternehmensnachfolge wird zum zusätzlichen Problem
Viele kleinere Brauereien sind Familienunternehmen. Der Betrieb wurde über Generationen weitergegeben und ist eng mit dem Namen der Familie verbunden.
Doch nicht immer steht ein geeigneter Nachfolger bereit.
Eine Unternehmensnachfolge wird besonders schwierig, wenn:
- erheblicher Investitionsbedarf besteht,
- Gewinne seit Jahren sinken,
- die Immobilie und der Betrieb rechtlich nicht getrennt sind,
- mehrere Familienmitglieder beteiligt sind,
- Pensionsverpflichtungen bestehen,
- private und betriebliche Vermögenswerte vermischt wurden,
- eine realistische Unternehmensbewertung fehlt.
Eine ungeklärte Nachfolge kann deshalb selbst bei einem noch zahlungsfähigen Betrieb zur Schließung führen.
Brauereien sollten die Nachfolge nicht erst kurz vor dem geplanten Ruhestand vorbereiten. Für eine erfolgreiche Übergabe werden häufig mehrere Jahre benötigt.
Welche Betriebe trotz Branchenkrise Chancen haben
Der Rückgang bedeutet nicht, dass jede kleine Brauerei zum Scheitern verurteilt ist.
Gute Chancen können Betriebe haben, die:
- regional klar positioniert sind,
- einen hohen Direktverkaufsanteil besitzen,
- über eine profitable eigene Gastronomie verfügen,
- touristisch gut gelegen sind,
- eine starke Marke aufgebaut haben,
- ihre Kosten genau kennen,
- konsequent unprofitable Sorten einstellen,
- alkoholfreie Produkte erfolgreich anbieten,
- Veranstaltungen und Führungen vermarkten,
- über moderne und energieeffiziente Anlagen verfügen,
- rechtzeitig Kooperationen eingehen,
- eine geregelte Nachfolge vorbereiten.
Entscheidend ist nicht allein die Größe. Auch eine kleine Brauerei kann wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn sie ihre Nische beherrscht und ihre Kostenstruktur im Griff hat.
Häufige Fehler in der Brauereikrise
Zu langes Hoffen auf den nächsten guten Sommer
Gutes Wetter kann den Absatz kurzfristig verbessern. Es löst jedoch keine strukturellen Probleme bei Kosten, Sortiment, Finanzierung oder Vertrieb.
Umsatz mit Gewinn verwechseln
Ein steigender Umsatz kann durch höhere Preise entstehen, obwohl Absatzmenge und Gewinn gleichzeitig sinken.
Unrentable Traditionen fortführen
Eine traditionsreiche Sorte, ein altes Gasthaus oder eine langjährige Kundenbeziehung können emotional wichtig sein. Dauerhafte Verluste gefährden jedoch den gesamten Betrieb.
Banken zu spät informieren
Banken reagieren meist kritischer, wenn sie erst von der Krise erfahren, nachdem Kreditlinien überschritten oder Raten ausgefallen sind.
Verkauf erst bei leerem Konto beginnen
Ein Unternehmensverkauf benötigt Vorbereitung, Unterlagen, Interessenten und Verhandlungen. Beginnt der Prozess erst bei akuter Zahlungsunfähigkeit, sinken die Chancen erheblich.
Persönliche Haftungsrisiken unterschätzen
Geschäftsführer müssen insbesondere Zahlungen in der Krise, Steuerverbindlichkeiten, Sozialversicherungsbeiträge und die Insolvenzantragspflicht beachten.
1.415 Brauereien sind ein Warnsignal für die gesamte Branche
Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist 2025 nicht nur leicht zurückgegangen. Mit einem Minus von 53 Betrieben innerhalb eines Jahres und 137 Betrieben seit 2019 beschleunigt sich die Konsolidierung der deutschen Brauwirtschaft.
Gleichzeitig ist der klassische Bierabsatz seit 2019 um 15,7 Prozent gesunken. Besonders kleine und mittelständische Brauereien müssen ihre Geschäftsmodelle deshalb grundlegend überprüfen.
Regionale Identität, Tradition und eine bekannte Marke bleiben wertvoll. Sie ersetzen jedoch keine ausreichende Marge, keine belastbare Liquiditätsplanung und keine rechtzeitige strategische Entscheidung.
Wer erst handelt, wenn Konten gesperrt, Steuern rückständig oder Lieferanten nicht mehr zahlbar sind, verfügt häufig nur noch über wenige Möglichkeiten.
Wer dagegen frühzeitig Kosten, Sortiment, Finanzierung, Kooperationen, Unternehmensverkauf oder Sanierung prüft, kann die Marke, Arbeitsplätze und zumindest einen wirtschaftlich tragfähigen Teil des Unternehmens möglicherweise erhalten.
Quellen und weiterführende Links
Statistisches Bundesamt: Zahl der Brauereien auf 1.415 im Jahr 2025 gesunken
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_32_p002.html
Statistisches Bundesamt: Bierabsatz im Jahr 2025
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_037_73.html
Statistisches Bundesamt: Produktion von alkoholfreiem Bier
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_28_p002.html
Deutscher Brauer-Bund: Entwicklung des Bierabsatzes im ersten Halbjahr 2026
https://brauer-bund.de/pressemitteilungen/ein-lichtblick-aber-keine-trendwende/
Deutscher Brauer-Bund: Presseinformationen zur deutschen Brauwirtschaft
https://brauer-bund.de/pressemitteilungen/
Bundesministerium der Justiz: § 17 Insolvenzordnung – Zahlungsunfähigkeit
https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__17.html
Bundesministerium der Justiz: § 19 Insolvenzordnung – Überschuldung
https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__19.html
Bundesministerium der Justiz: § 15a Insolvenzordnung – Antragspflicht bei juristischen Personen
https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__15a.html
Bundesministerium der Justiz: § 15b Insolvenzordnung – Zahlungen bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung

