Einzelhandelsumsatz im Juni 2026 sinkt
Einzelhandelsumsatz im Juni 2026 sinkt – Warnsignal für margenschwache Händler
Der deutsche Einzelhandel hat im Juni 2026 einen deutlichen Rückschlag erlitten.
Gegenüber Mai 2026 gingen die kalender- und saisonbereinigten Umsätze real, also preisbereinigt, um 1,1 Prozent zurück. Nominal belief sich das Minus auf 1,2 Prozent.
Auch im Vergleich zum Juni 2025 blieb die Entwicklung schwach: Real setzte der Einzelhandel 0,2 Prozent weniger um. Der nominale Umsatz lag dagegen 1,2 Prozent über dem Vorjahreswert.
Die Differenz zeigt, dass Preis- und Sortimenteffekte einen Teil der nominalen Erlöse stützten, obwohl das tatsächlich verkaufte Warenvolumen leicht zurückging.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
| Bereich | Real zum Vormonat | Nominal zum Vormonat | Real zum Vorjahr | Nominal zum Vorjahr |
|---|---|---|---|---|
| Einzelhandel insgesamt | −1,1 % | −1,2 % | −0,2 % | +1,2 % |
| Lebensmittelhandel | −1,4 % | −1,7 % | −0,6 % | +0,1 % |
| Nicht-Lebensmittel | −1,0 % | −1,0 % | +0,2 % | +1,7 % |
| Internet- und Versandhandel | +0,4 % | +0,7 % | +4,9 % | +6,3 % |
| Tankstellen | +2,1 % | −1,5 % | −2,1 % | +7,2 % |
Im gesamten ersten Halbjahr 2026 lag der Einzelhandelsumsatz real 0,7 Prozent und nominal 2,2 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Damit befindet sich der deutsche Einzelhandel nicht in einem flächendeckenden Umsatzeinbruch. Von einer kräftigen und stabilen Konsumerholung kann jedoch ebenfalls keine Rede sein.
Der Anstieg im Mai wurde nahezu vollständig wieder aufgehoben
Im Mai 2026 war der reale Einzelhandelsumsatz gegenüber April noch um revidierte 1,2 Prozent gestiegen. Der anschließende Rückgang um 1,1 Prozent im Juni machte diese Erholung rechnerisch fast vollständig zunichte.
Unter Berücksichtigung beider Monatsveränderungen lag der reale Umsatz im Juni lediglich rund 0,1 Prozent über dem Niveau vom April. Nominal lag er rechnerisch sogar leicht darunter.
Die Monatszahlen zeigen damit weniger eine klare Aufwärts- oder Abwärtsbewegung als vielmehr eine fragile Seitwärtsentwicklung mit erheblichen Schwankungen.
Für Unternehmen ist diese Entwicklung problematisch, weil Kosten, Personalbestand, Warenbestellungen und Finanzierungen nicht im gleichen Tempo angepasst werden können wie kurzfristig schwankende Umsätze.
Nominal mehr Umsatz bedeutet nicht automatisch mehr Geschäft
Im Vergleich zum Juni 2025 stieg der nominale Einzelhandelsumsatz um 1,2 Prozent, während der reale Umsatz um 0,2 Prozent sank.
Das bedeutet: Die Händler nahmen in Euro zwar etwas mehr ein, verkauften preisbereinigt aber geringfügig weniger.
Die Differenz von 1,4 Prozentpunkten darf allerdings nicht einfach mit der allgemeinen Inflationsrate gleichgesetzt werden. Die reale Einzelhandelsstatistik berücksichtigt die Preisentwicklung der jeweils erfassten Warengruppen.
Zusätzlich können Verschiebungen zwischen Produkten, Sortimenten und Vertriebsformen eine Rolle spielen.
Für die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens ist ohnehin nicht allein der Umsatz entscheidend. Steigen Einkaufspreise, Löhne, Mieten, Energie- und Finanzierungskosten schneller als der Rohertrag, kann selbst ein nominales Umsatzplus mit einer sinkenden Rentabilität einhergehen.
Ein Händler kann deshalb auf dem Papier höhere Einnahmen erzielen und sich wirtschaftlich trotzdem schlechter stellen als im Vorjahr.

Einzelhandelsumsatz im Juni 2026 sinkt Infografik
Lebensmittelhandel verliert besonders deutlich
Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnete im Juni 2026 gegenüber Mai einen realen Umsatzrückgang von 1,4 Prozent. Nominal gingen die Einnahmen um 1,7 Prozent zurück.
Gegenüber dem Juni 2025 sank der reale Umsatz um 0,6 Prozent. Nominal blieb mit einem Plus von lediglich 0,1 Prozent praktisch eine Stagnation.
Diese Entwicklung ist bemerkenswert, weil Lebensmittel zum täglichen Bedarf gehören. Verbraucher können den Einkauf nicht vollständig vermeiden, sie können ihr Verhalten jedoch deutlich verändern.
Sie wechseln zu günstigeren Handelsmarken, reduzieren Spontankäufe, vergleichen Preise intensiver, kaufen häufiger bei Discountern oder verzichten auf höherpreisige Produkte.
Auch die Menge der gekauften Waren kann sinken. Haushalte planen Mahlzeiten genauer, vermeiden Lebensmittelverschwendung und greifen verstärkt zu Sonderangeboten.
Für Lebensmittelhändler, Bäckereien, Feinkostgeschäfte, Getränkehändler und andere Anbieter mit verderblicher Ware kann bereits ein vergleichsweise kleiner Absatzrückgang erhebliche Folgen haben.
Abschriften, Verderb und nicht verkaufte Ware belasten die Marge zusätzlich. Gleichzeitig lassen sich Personalkosten, Ladenmiete, Kühlung und Logistik kurzfristig kaum reduzieren.
Nicht-Lebensmittelhandel bleibt unter Druck
Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln sanken die Umsätze gegenüber Mai sowohl real als auch nominal um 1,0 Prozent.
Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein etwas freundlicheres Bild: Real stieg der Umsatz um 0,2 Prozent, nominal um 1,7 Prozent.
Von einem kräftigen Wachstum kann dennoch nicht gesprochen werden.
Gerade bei Möbeln, Elektronik, Haushaltswaren, Bekleidung und anderen aufschiebbaren Anschaffungen reagieren Verbraucher besonders sensibel auf wirtschaftliche Unsicherheit.
Eine Reparatur kann den Neukauf ersetzen. Bekleidung wird später gekauft. Möbel, Unterhaltungselektronik oder höherwertige Haushaltsgeräte werden verschoben, solange Einkommenserwartungen und wirtschaftliche Perspektiven unsicher bleiben.
Für viele Händler entsteht dadurch ein gefährlicher Mix: Die Kunden kaufen zurückhaltender, während Lagerhaltung, Miete, Personal und Finanzierung weiterbezahlt werden müssen.
Besonders gefährdet sind Anbieter, die austauschbare Produkte verkaufen und hauptsächlich über den Preis konkurrieren. Wer keinen klaren Servicevorteil, keine starke Marke oder keine besondere Beratung bietet, gerät schnell in einen ruinösen Preiskampf.
Onlinehandel wächst gegen den schwachen Gesamttrend
Der Internet- und Versandhandel entwickelte sich im Juni deutlich besser als der Gesamtmarkt.
Gegenüber Mai stiegen die realen Umsätze um 0,4 Prozent und die nominalen Umsätze um 0,7 Prozent.
Im Vorjahresvergleich legte der Onlinehandel real um 4,9 Prozent und nominal um 6,3 Prozent zu. Damit übertraf seine reale Entwicklung den gesamten Einzelhandel im Jahresvergleich um mehr als fünf Prozentpunkte.
Der Onlinehandel ist damit nicht automatisch krisenfest. Auch Onlinehändler kämpfen mit hohen Werbekosten, Retouren, Plattformgebühren, Logistikaufwendungen und wachsendem Preisdruck.
Die Zahlen zeigen aber, dass Kunden weiterhin zunehmend digitale Vertriebswege nutzen.
Für stationäre Händler wird deshalb ein funktionierendes Zusammenspiel aus Ladengeschäft und digitalen Angeboten immer wichtiger.
Dazu gehören beispielsweise:
- ein eigener Onlineshop,
- digitale Produktkataloge,
- regionale Lieferangebote,
- digitale Terminvereinbarungen,
- Click-and-Collect,
- lokale Suchmaschinenoptimierung,
- Kundenbindung über Newsletter,
- aktive Kommunikation über soziale Netzwerke,
- schnelle Erreichbarkeit über Messenger.
Der stationäre Handel muss den Onlinehandel nicht vollständig ersetzen. Häufig reicht es bereits, lokal sichtbar und digital erreichbar zu sein.
Ein Kunde kann ein Produkt online entdecken, telefonisch reservieren und anschließend im Geschäft abholen. Beratung, persönliche Betreuung und sofortige Verfügbarkeit bleiben dabei wichtige Vorteile des stationären Handels.
Sondereffekt bei Tankstellen durch den Tankrabatt
Eine Sonderentwicklung zeigte sich bei Tankstellen.
Infolge des Kriegs im Nahen Osten und des in Deutschland vom 1. bis 30. Juni 2026 geltenden Tankrabatts stiegen die realen Umsätze gegenüber Mai um 2,1 Prozent.
Gleichzeitig gingen die nominalen Umsätze um 1,5 Prozent zurück.
Die Tankstellen verkauften somit preisbereinigt mehr, nahmen in Euro aber weniger ein.
Gegenüber Juni 2025 ergibt sich das umgekehrte Bild: Die realen Umsätze lagen 2,1 Prozent niedriger, die nominalen Umsätze jedoch 7,2 Prozent höher.
Die große Differenz zwischen realer und nominaler Entwicklung zeigt den erheblichen Einfluss der Kraftstoffpreise.
Zu beachten ist außerdem, dass die Einzelhandelsstatistik der Tankstellen auch die Umsätze der angeschlossenen Tankstellenshops enthält.
Die Zahlen lassen deshalb keine unmittelbare Aussage darüber zu, wie sich allein das verkaufte Kraftstoffvolumen entwickelt hat.
Konsumklima bleibt auf niedrigem Niveau
Die schwache Umsatzentwicklung passt zur weiterhin verhaltenen Verbraucherstimmung.
Der Konsumklimaindikator für August 2026 lag bei minus 29,6 Punkten. Die Einkommenserwartungen verschlechterten sich im Juli auf minus 14,5 Punkte, während die Sparneigung auf 17 Punkte stieg.
Die Anschaffungsneigung verbesserte sich zwar auf minus 9,9 Punkte, blieb damit aber weiterhin deutlich im negativen Bereich.
Viele Haushalte halten größere Anschaffungen nach wie vor für wenig attraktiv. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischer Risiken und steigender Lebenshaltungskosten neigen sie stärker zum Sparen.
Für Händler bedeutet dies, dass Kunden nicht vollständig aus dem Markt verschwinden, aber kritischer entscheiden.
Preis, Nutzen, Qualität, Vertrauen, Lieferfähigkeit und Service müssen überzeugen. Austauschbare Produkte und unklare Angebote geraten besonders schnell unter Druck.
Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Sonderangeboten, Preisvergleichen und transparenten Leistungen.
Was die Zahlen für Einzelhandelsunternehmen bedeuten
Die Umsatzentwicklung im Juni 2026 ist für Einzelhändler ein Warnsignal. Sie zeigt, dass eine vermeintliche Erholung innerhalb eines Monats wieder verloren gehen kann.
Unternehmen sollten deshalb nicht allein auf den nächsten saisonalen Aufschwung hoffen, sondern ihre wirtschaftliche Lage aktiv steuern.
Umsatzplanung vorsichtiger gestalten
Eine Planung, die von stetig steigenden Monatsumsätzen ausgeht, ist derzeit riskant.
Unternehmen sollten mindestens drei Szenarien berechnen:
- eine realistische Basisplanung,
- ein Stressszenario mit rückläufigen Umsätzen,
- ein positives Szenario für eine mögliche Erholung.
Entscheidend ist nicht nur der Jahresumsatz.
Ein Händler kann auf Jahressicht im Plan liegen und trotzdem in einzelnen Monaten in eine Liquiditätslücke geraten. Das gilt besonders dann, wenn größere Warenbestellungen, Steuernachzahlungen oder saisonale Kosten gleichzeitig fällig werden.
Eine belastbare Planung sollte deshalb nicht nur den erwarteten Umsatz, sondern auch Zahlungszeitpunkte, Margen und notwendige Warenbeschaffung berücksichtigen.
Liquidität wöchentlich überwachen
Gerade Unternehmen mit geringen Margen sollten eine rollierende Liquiditätsplanung über mindestens 13 Wochen führen.
Dabei werden die erwarteten Einzahlungen den tatsächlich fälligen Auszahlungen gegenübergestellt.
Berücksichtigt werden müssen insbesondere:
- Löhne und Gehälter,
- Sozialversicherungsbeiträge,
- Umsatzsteuer und andere Steuern,
- Mieten und Nebenkosten,
- Lieferantenrechnungen,
- Darlehensraten,
- Leasingverpflichtungen,
- Warenbestellungen,
- saisonale Sonderzahlungen,
- Reparaturen und Ersatzinvestitionen.
Eine solche Planung zeigt frühzeitig, wann finanzielle Engpässe entstehen.
Das verschafft Zeit, um mit Banken, Lieferanten, Vermietern oder Investoren zu verhandeln. Wer erst reagiert, wenn Lastschriften zurückgehen oder Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr bezahlt werden können, hat einen großen Teil seines Handlungsspielraums bereits verloren.
Deckungsbeitrag statt bloßen Umsatz betrachten
Rabattaktionen können den Umsatz kurzfristig erhöhen, zugleich aber die Marge zerstören.
Deshalb sollte für jede Warengruppe geprüft werden, welcher Deckungsbeitrag nach Einkauf, Versand, Zahlungsgebühren, Retouren, Verkaufsprovisionen und unmittelbar zurechenbaren Personalkosten verbleibt.
Umsatz, der keinen ausreichenden Beitrag zu den Fixkosten leistet, verschärft unter Umständen sogar die finanzielle Belastung.
Besonders problematisch sind Aktionen, bei denen zusätzlich hohe Werbekosten anfallen. Ein Händler kann dann viele Bestellungen erhalten und trotzdem Verluste produzieren.
Wichtiger als der reine Umsatz sind deshalb Fragen wie:
- Welche Produkte verdienen tatsächlich Geld?
- Welche Warengruppen binden nur Kapital?
- Welche Kunden verursachen besonders hohe Retouren?
- Welche Vertriebskanäle sind nach allen Kosten profitabel?
- Welche Rabatte sind wirtschaftlich noch vertretbar?

Einzelhandelsumsatz im Juni 2026 sinkt
Lagerbestände konsequent steuern
Nicht verkaufte Ware bindet Kapital.
Langsam drehende Artikel, saisonale Restbestände und überbreite Sortimente sollten frühzeitig erkannt werden.
Preisnachlässe sind dabei nur eine Möglichkeit.
Weitere Optionen sind:
- Sortimentsbereinigungen,
- Rückgabeverhandlungen mit Lieferanten,
- Paketangebote,
- Sonderverkaufsaktionen,
- Zweitverwertung,
- B2B-Verkauf,
- Verkauf über alternative Vertriebskanäle,
- Reduzierung künftiger Bestellmengen.
Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist ein großes Lager nicht automatisch ein Wettbewerbsvorteil. Es kann zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.
Händler sollten deshalb nicht nur den Einkaufswert des Lagers betrachten, sondern auch die durchschnittliche Lagerdauer und die tatsächliche Verkaufsgeschwindigkeit.
Online- und Offlinegeschäft verbinden
Das Wachstum des Internet- und Versandhandels sollte nicht als Argument gegen den stationären Handel verstanden werden.
Vielmehr zeigt es, dass Kunden flexibel zwischen Vertriebskanälen wechseln.
Händler, die ihre Warenbestände, Kundenkommunikation und Serviceangebote miteinander verknüpfen, können beide Welten nutzen.
Ein lokales Geschäft kann online sichtbar sein, Produkte reservieren lassen, Beratungen digital vorbereiten und Kunden anschließend persönlich betreuen.
Dadurch entsteht ein Vorteil gegenüber anonymen Plattformangeboten.
Persönliche Beratung, regionale Nähe, schnelle Reklamationsbearbeitung und sofortige Warenverfügbarkeit sind Leistungen, die viele reine Onlineanbieter nur eingeschränkt bieten können.
Preise nicht ohne Strategie senken
In einem schwachen Markt reagieren viele Händler reflexartig mit Rabatten.
Das kann kurzfristig neue Kunden anziehen, langfristig aber die Positionierung beschädigen.
Wer dauerhaft über den niedrigsten Preis verkauft, muss gleichzeitig über besonders günstige Einkaufsbedingungen, effiziente Prozesse und hohe Absatzmengen verfügen. Kleinere Händler können diesen Wettbewerb häufig nicht gewinnen.
Statt pauschaler Preisnachlässe können gezielte Maßnahmen sinnvoller sein:
- begrenzte Aktionsangebote,
- Zusatzleistungen,
- Produktpakete,
- Treueprogramme,
- verlängerte Garantien,
- Beratungspakete,
- kostenfreie Lieferung ab einem Mindestumsatz.
Ziel sollte nicht nur ein höherer Umsatz, sondern ein wirtschaftlich sinnvoller Kundenwert sein.
Gefährlich wird die Lage bei hohen Fixkosten
Ein Umsatzminus von 1,1 Prozent klingt zunächst überschaubar.
Für ein Unternehmen mit niedriger Gewinnmarge kann es jedoch erhebliche Folgen haben.
Erwirtschaftet ein Händler beispielsweise nur drei Prozent operativen Gewinn, kann bereits ein kleiner Umsatzrückgang zusammen mit höheren Kosten einen großen Teil des Ergebnisses aufzehren.
Besonders gefährdet sind Unternehmen mit:
- hohen Ladenmieten,
- umfangreichen Warenbeständen,
- kurzfristigen Lieferantenverbindlichkeiten,
- niedriger Eigenkapitalquote,
- hohen Zins- und Tilgungsbelastungen,
- dauerhaftem Personalkostenüberhang,
- starker Abhängigkeit von einzelnen Standorten,
- Abhängigkeit von wenigen Produktgruppen,
- fehlendem Onlinevertrieb,
- hohen Retourenquoten.
In solchen Fällen sollten Gegenmaßnahmen nicht erst eingeleitet werden, wenn Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können.
Je früher Umsatzprobleme, Margenverluste und Liquiditätslücken erkannt werden, desto größer bleibt der unternehmerische Handlungsspielraum.
Frühwarnzeichen einer Einzelhandelskrise
Unternehmer sollten nicht nur auf den Gesamtumsatz achten. Häufig kündigt sich eine Krise durch mehrere kleinere Veränderungen an.
Typische Warnzeichen sind:
- sinkende Kundenfrequenz,
- rückläufige Durchschnittsbonhöhe,
- steigender Anteil rabattierter Verkäufe,
- längere Lagerdauer,
- zunehmende Lieferantenmahnungen,
- Nutzung von Kontokorrentlinien für laufende Kosten,
- verspätete Steuerzahlungen,
- steigende Retouren,
- sinkender Rohertrag,
- häufige private Einlagen des Gesellschafters.
Ein einzelnes Warnsignal muss noch keine existenzielle Krise bedeuten.
Treten mehrere dieser Entwicklungen gleichzeitig auf, sollte die wirtschaftliche Lage jedoch unverzüglich geprüft werden.
Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026
Der Rückgang im Juni darf nicht isoliert betrachtet werden.
Positiv ist, dass der Einzelhandel im gesamten ersten Halbjahr real noch um 0,7 Prozent über dem Vorjahresniveau lag.
Negativ ist, dass die Erholung nicht stabil ist und das Konsumklima weiterhin deutlich im pessimistischen Bereich verharrt.
Für die weitere Entwicklung werden vor allem die verfügbaren Einkommen, Energiepreise, Inflationserwartungen, Beschäftigungssicherheit und geopolitische Lage entscheidend sein.
Ein kräftiger Konsumaufschwung ist aus den Juni-Zahlen nicht abzuleiten.
Ebenso wenig belegen sie einen allgemeinen Zusammenbruch des Einzelhandels.
Das wahrscheinlichste Bild ist zunächst ein anspruchsvoller Markt mit schwankenden Umsätzen, ausgeprägter Preissensibilität und weiterem Wettbewerb zwischen stationärem und digitalem Handel.
Unternehmen mit guter Liquidität, klarer Positionierung und konsequenter Kostenkontrolle können sich in diesem Umfeld behaupten.
Margenschwache Händler ohne ausreichende Rücklagen geraten dagegen zunehmend unter Druck.
Methodischer Hinweis zu den Zahlen
Die Angaben für Juni 2026 sind vorläufig und können später revidiert werden.
Das zeigt bereits die Korrektur des realen Mai-Werts von ursprünglich 1,1 auf nunmehr 1,2 Prozent Wachstum.
Außerdem wurde die Konjunkturstatistik im Einzelhandel zum Berichtsmonat Mai 2026 methodisch weiterentwickelt.
Unter anderem stellte das Statistische Bundesamt auf das Basisjahr 2021 und auf Laspeyres-Indizes um. Die wirtschaftlichen Aktivitäten werden zudem differenzierter nach Geschäftsfeldern rechtlicher Einheiten erfasst.
Bei Vergleichen mit älteren Veröffentlichungen sollten mögliche Revisionen und methodische Änderungen daher berücksichtigt werden.
Der Einzelhandelsumsatz im Juni 2026 ist kein Beleg für einen flächendeckenden Absturz, aber ein klares Warnsignal.
Der Aufschwung vom Mai wurde nahezu vollständig wieder aufgehoben. Der Lebensmittelhandel und der Nicht-Lebensmittelhandel verloren gegenüber dem Vormonat, während der Internet- und Versandhandel weiter zulegte.
Für Einzelhändler kommt es jetzt weniger auf möglichst hohe nominale Umsätze als auf profitable Umsätze, ausreichend Liquidität und eine konsequente Steuerung von Kosten und Warenbeständen an.
Unternehmen mit schwacher Eigenkapitalbasis, hohen Fixkosten oder bereits angespannten Zahlungszielen sollten die Entwicklung nicht abwarten.
Eine frühzeitige Analyse eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten als eine Krisenreaktion unter akutem Zeit- und Liquiditätsdruck.
Häufige Fragen zum Einzelhandelsumsatz im Juni 2026
Wie stark sank der Einzelhandelsumsatz im Juni 2026?
Gegenüber Mai 2026 sank der Einzelhandelsumsatz kalender- und saisonbereinigt real um 1,1 Prozent und nominal um 1,2 Prozent.
War der Umsatz auch niedriger als im Juni 2025?
Real lag der Umsatz 0,2 Prozent unter dem Vorjahresmonat. Nominal wurde dagegen ein Plus von 1,2 Prozent erreicht.
Welche Branche verzeichnete den stärksten monatlichen Rückgang?
Von den ausgewiesenen Hauptbereichen verzeichnete der Lebensmitteleinzelhandel mit real minus 1,4 Prozent den stärksten Rückgang gegenüber Mai.
Wie entwickelte sich der Onlinehandel?
Der Internet- und Versandhandel wuchs gegenüber Mai real um 0,4 Prozent. Gegenüber Juni 2025 betrug das reale Wachstum 4,9 Prozent.
Ist der Einzelhandel im gesamten ersten Halbjahr geschrumpft?
Nein. Von Januar bis Juni 2026 lag der reale Einzelhandelsumsatz nach vorläufigen Ergebnissen 0,7 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Warum können nominale und reale Umsätze unterschiedlich ausfallen?
Der nominale Umsatz beschreibt die tatsächlich eingenommenen Eurobeträge. Der reale Umsatz wird um die Preisentwicklung bereinigt und zeigt dadurch besser, ob tatsächlich mehr oder weniger Waren verkauft wurden.
Sind die Zahlen bereits endgültig?
Nein. Die Juni-Zahlen sind vorläufig. Spätere Meldungen und Datenbankaktualisierungen können Revisionen enthalten.
Quellen und weiterführende Links
Statistisches Bundesamt: Einzelhandelsumsatz im Juni 2026, Pressemitteilung Nr. 272 vom 3. August 2026
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_272_45212.html
Nürnberg Institut für Marktentscheidungen: Konsumklima verharrt auf niedrigem Niveau
https://www.nim.org/konsumklima/detail-konsumklima/konsumklima-verharrt-auf-niedrigem-niveau

