Investitionsbereitschaft Mittelstand 2026 auf Allzeittief
Investitionsbereitschaft im Mittelstand auf Allzeittief: Das zeigt die Studie von DZ BANK und BVR
Stand: 13. Juli 2026
Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995 gefallen. Die aktuelle Gemeinschaftsstudie von DZ BANK und BVR zeigt zugleich steigende Kosten, zunehmende Lieferengpässe, schwache Geschäftserwartungen und eine deutlich verschlechterte Bilanzqualität. Dennoch bewerten viele Unternehmen ihre gegenwärtige Lage weiterhin positiv und bauen ihr Auslandsengagement aus.
Das Wichtigste in Kürze
Die Investitionsbereitschaft im deutschen Mittelstand ist auf ein historisches Tief gefallen. Nur noch 52 Prozent der befragten Unternehmen planen, in den kommenden sechs Monaten in ihren Betrieb zu investieren. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995 wurde kein niedrigerer Wert gemessen.
Damit liegt die Investitionsbereitschaft nach Angaben der Studienherausgeber sogar unter den Werten während der Finanzkrise, der Corona-Pandemie und der Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Kriegs.
Die gemeinsame Mittelstandsstudie von DZ BANK und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, kurz BVR, zeichnet jedoch kein einheitlich negatives Bild. Während die Investitionsabsichten auf einem Allzeittief liegen, beurteilen 71 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut.
Deutlich vorsichtiger fällt der Blick in die Zukunft aus. Nur 26 Prozent der Mittelständler erwarten, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten verbessert. 20 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung.
Die Studie zeigt damit einen auffälligen Gegensatz: Die aktuelle Lage vieler Unternehmen erscheint noch vergleichsweise stabil, doch das Vertrauen in die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist schwach.
Die zentralen Ergebnisse der Mittelstandsstudie 2026
| Studienergebnis | Aktueller Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Unternehmen mit Investitionsplänen | 52 % | Niedrigster Wert seit 1995 |
| Gute oder sehr gute aktuelle Geschäftslage | 71 % | Zweite Verbesserung in Folge |
| Erwartung einer besseren Geschäftslage | 26 % | Zukunftserwartungen bleiben schwach |
| Erwartung einer Verschlechterung | 20 % | Hohe wirtschaftliche Unsicherheit |
| Bürokratie als Belastungsfaktor | 74 % | Größtes Problemfeld des Mittelstands |
| Energiekosten als Belastungsfaktor | 67 % | Deutlicher Anstieg seit Herbst 2025 |
| Rohstoff- und Materialkosten als Belastung | 57 % | Ebenfalls deutlich gestiegen |
| Lieferengpässe | 31 % | Plus 13 Prozentpunkte in sechs Monaten |
| Geplante Preiserhöhungen | 43 % | Mehr als im Herbst 2025 |
| Geplanter Personalaufbau | 16 % | Leicht positiver Beschäftigungssaldo |
| Geplanter Personalabbau | 11 % | Weniger Unternehmen als beim Personalaufbau |
| Mittelständler mit Auslandsaktivitäten | knapp 54 % | Plus 10 Prozentpunkte seit Frühjahr 2024 |
| Durchschnittliche Eigenkapitalquote | 26,5 % | Deutlicher Rückgang gegenüber 2024 |
| Dynamischer Verschuldungsgrad | 364,5 % | Verschlechterte Schuldentilgungsfähigkeit |
| Unternehmen mit KI-Nutzung | 58 % | 2018 waren es lediglich 8 % |
Wie wurde die Mittelstandsstudie durchgeführt?
Die Daten für die VR-Mittelstandsumfrage wurden zwischen dem 2. März und dem 17. April 2026 erhoben. Befragt wurden mehr als 1.000 Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland.
Die Befragung erfolgte telefonisch und online. Nach Angaben der Herausgeber ist die Stichprobe repräsentativ für den deutschen Mittelstand.
Die technische Auswertung und die Feldarbeit wurden im Frühjahr 2026 erstmals von der Foerster & Thelen Marktforschung Feldservice GmbH durchgeführt.
Neben der Unternehmensbefragung enthält die Untersuchung eine Bilanzanalyse. Deren Grundlage bilden Bilanzen und Erfolgsrechnungen, die mittelständische Firmenkunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rahmen von Kreditanträgen eingereicht haben.
Für den Zeitraum von 2001 bis 2024 umfasst diese Datenbasis fast 2,6 Millionen Jahresabschlüsse. Für das Jahr 2025 lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung allerdings erst rund 550 Abschlüsse vor. Die Aussagen zur Bilanzqualität 2025 sind deshalb ausdrücklich als vorläufige Berechnungen zu verstehen.

Investitionsbereitschaft Mittelstand 2026 auf Allzeittief Infografik
Investitionsbereitschaft fällt auf den niedrigsten Stand seit 1995
Das auffälligste Ergebnis der Studie betrifft die Investitionsbereitschaft. Nur 52 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen planen, in den kommenden sechs Monaten in ihren eigenen Betrieb zu investieren.
Seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995 wurde kein niedrigerer Anteil gemessen. Die Investitionsbereitschaft liegt damit laut Studie unter den Werten früherer wirtschaftlicher Krisen.
Der Wert beschreibt den Anteil der Unternehmen, die grundsätzlich Investitionen beabsichtigen. Er enthält jedoch keine Aussage darüber, wie hoch die geplanten Investitionssummen sind. Kleine und große Investitionsvorhaben werden bei der Frage nach einer grundsätzlichen Investitionsabsicht gleichermaßen berücksichtigt.
Trotzdem besitzt die Kennzahl eine hohe Aussagekraft für die Stimmung im Mittelstand. Investitionen sind in der Regel langfristig ausgerichtet. Sie setzen Vertrauen in die künftige Nachfrage, in wirtschaftliche Rahmenbedingungen und in die Finanzierbarkeit eines Vorhabens voraus.
Die geringe Investitionsbereitschaft deutet daher darauf hin, dass viele Unternehmen derzeit langfristige Kapitalbindungen vermeiden. Nach Einschätzung der Studienherausgeber konzentrieren sich Betriebe aktuell vor allem auf die Sicherung des Bestands. Wachstum und Expansion treten demgegenüber in den Hintergrund oder verlagern sich teilweise ins Ausland.
Als Ausnahmen nennt die Studie Bereiche, in denen wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen bereits zu einer steigenden Nachfrage führen. Dazu gehören insbesondere Infrastrukturprojekte für die Energie- und Wärmewende, der Verteidigungsbereich sowie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Gute aktuelle Geschäftslage, aber schwache Erwartungen
Die Studie zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen der Bewertung der gegenwärtigen Geschäftslage und den Erwartungen für die kommenden Monate.
71 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Lage als gut oder sehr gut. 29 Prozent bewerten sie als eher schlecht oder schlecht. Damit hat sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftssituation zum zweiten Mal in Folge verbessert.
Dieser insgesamt positive Lagewert steht jedoch im Gegensatz zur sehr niedrigen Investitionsbereitschaft.
Die Studienautoren erklären diesen Unterschied unter anderem mit einer zuvor verbesserten Auftragslage und höheren Auftragsbeständen. Viele Unternehmen profitieren demnach noch von Aufträgen, die in den vergangenen Monaten eingegangen sind. Dadurch erscheint die aktuelle Auslastung vergleichsweise stabil.
Für die Zukunft überwiegt dagegen die Vorsicht. Nur 26 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung ihrer geschäftlichen Lage in den kommenden sechs Monaten. 20 Prozent erwarten eine Verschlechterung.
Die Geschäftserwartungen stagnieren damit auf einem schwachen Niveau. Insbesondere die hohe wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit sowie steigende Kosten prägen den Ausblick.
Das zentrale Bild der Studie lautet daher: Die Gegenwart wird von vielen Mittelständlern noch positiv bewertet, doch die Zuversicht für die nähere Zukunft reicht nicht aus, um eine breitere Investitionstätigkeit auszulösen.
Bürokratie bleibt das größte Problem des Mittelstands
Die Bürokratie ist weiterhin der am häufigsten genannte Belastungsfaktor. 74 Prozent der befragten Unternehmen sehen darin ein wesentliches Problem.
Im Herbst 2025 lag der Anteil noch bei 80 Prozent. Die Belastungswahrnehmung ist damit zwar leicht zurückgegangen, bleibt jedoch auf einem sehr hohen Niveau.
Bürokratie steht in der aktuellen Rangfolge der Problemfelder weiterhin vor Energie-, Rohstoff- und Materialkosten, Fachkräftemangel und Lohnkosten.
Die große Bedeutung dieses Themas zeigt, dass die Belastung des Mittelstands nicht ausschließlich auf konjunkturelle Faktoren zurückgeführt wird. Regulatorische Anforderungen, Verwaltungsverfahren und Dokumentationspflichten werden von einem großen Teil der Unternehmen ebenfalls als erhebliche Einschränkung wahrgenommen.
Die BVR-Präsidentin Marija Kolak bewertet die in der Studie sichtbare Investitionsschwäche auch als Folge unzureichender wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen. Sie erkennt in den angekündigten Reformen der Bundesregierung zwar Ansätze zum Bürokratieabbau und zur Erleichterung von Investitionen. Die steuerpolitischen Maßnahmen gehen aus ihrer Sicht jedoch nicht weit genug.
Die Kritik richtet sich insbesondere auf die geplante Einkommensteuerentlastung und die Veränderungen beim Spitzensteuersatz. Nach Einschätzung des BVR entsteht daraus keine umfassende steuerliche Entlastung des Mittelstands.
Energiekosten rücken auf den zweiten Platz
Neben der Bürokratie haben insbesondere die Energiekosten stark an Bedeutung gewonnen.
67 Prozent der befragten Unternehmen nennen sie als aktuelles Problem. Im Herbst 2025 waren es noch 53 Prozent. Innerhalb von sechs Monaten stieg der Anteil somit um 14 Prozentpunkte.
Die Energiekosten sind damit zum zweitwichtigsten Belastungsfaktor des deutschen Mittelstands geworden.
Besonders ausgeprägt ist die Belastung in energieintensiven Branchen. In der Chemieindustrie bezeichnen 82 Prozent der Unternehmen die Energiekosten als drängendes Problem. Damit stehen sie in dieser Branche sogar an erster Stelle.
Auch im Agrarsektor ist die Belastung mit 80 Prozent besonders hoch. Im Ernährungsgewerbe nennen 76 Prozent der Unternehmen die Energiekosten als wesentliches Problem. In beiden Branchen liegen Energiebelastung und Bürokratie nach den Studienergebnissen gleichauf.
Der starke Anstieg verdeutlicht, wie schnell sich die Problemwahrnehmung innerhalb weniger Monate verändert hat. Während in früheren Befragungen der Fachkräftemangel und die Lohnkosten besonders stark im Vordergrund standen, dominieren 2026 erneut die unmittelbaren Kosten der Produktion und Beschaffung.
Rohstoff- und Materialkosten belasten 57 Prozent der Unternehmen
Auch die Rohstoff- und Materialkosten haben deutlich an Bedeutung gewonnen. 57 Prozent der Mittelständler nennen sie als wesentliches Problem.
Im Herbst 2025 lag der Anteil noch bei 43 Prozent. Damit beträgt der Anstieg ebenfalls 14 Prozentpunkte innerhalb von sechs Monaten.
Rohstoff- und Materialkosten nehmen in der aktuellen Rangfolge der Belastungsfaktoren den dritten Platz ein. Sie liegen damit vor dem Fachkräftemangel, der von 56 Prozent genannt wird, und den Lohnkosten mit 53 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Kostendruck im Mittelstand wieder stärker auf die unmittelbare Leistungserstellung konzentriert. Energie, Rohstoffe und Materialien beeinflussen insbesondere produzierende Unternehmen, die Bauwirtschaft, das Ernährungsgewerbe und weitere Branchen mit hohem Wareneinsatz.
Steigende Kosten wirken sich nicht nur auf die Profitabilität aus. Sie beeinflussen auch die Preisplanung, die Beschaffung und die Bereitschaft, langfristige Investitionen einzugehen.
Lieferengpässe nehmen erneut deutlich zu
Neben den Kosten verschärft sich nach den Studienergebnissen auch die Situation in den Lieferketten.
31 Prozent der Unternehmen berichten von Sorgen über Produktmangel oder verspätete Lieferungen. Im Herbst 2025 waren es lediglich 18 Prozent.
Innerhalb eines halben Jahres stieg der Anteil der betroffenen Unternehmen damit um 13 Prozentpunkte.
Besonders angespannt ist die Lage in der Elektroindustrie sowie in der Chemie- und Kunststoffbranche. In diesen Sektoren sieht jeweils ungefähr jedes zweite Unternehmen Lieferengpässe als Herausforderung.
Die Beschaffungslage war dort zuletzt während der großen Lieferkettenkrise der Jahre 2022 und 2023 noch schwieriger. In der Elektroindustrie wurde im Frühjahr 2023 eine stärkere Belastung gemessen, in der Chemie- und Kunststoffbranche im Herbst 2022.
Das aktuelle Niveau liegt damit zwar noch unter den jeweiligen Krisenhöhepunkten. Der deutliche Anstieg innerhalb kurzer Zeit zeigt jedoch, dass Lieferkettenrisiken erneut zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor geworden sind.
Als Ursachen für die vorsichtigere Stimmung nennt die Studie unter anderem die geopolitische Unsicherheit und die Auswirkungen der Nahost-Krise. Diese Entwicklungen beeinflussen nach Einschätzung der Herausgeber sowohl die Kosten als auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Materialien und Vorprodukten.
43 Prozent der Mittelständler planen Preiserhöhungen
Der steigende Kostendruck zeigt sich unmittelbar in den Preiserwartungen.
43 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen, ihre Preise in den kommenden sechs Monaten anzuheben. Im Herbst 2025 lag dieser Anteil bei 34 Prozent.
Gleichzeitig rechnen nur knapp 5 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Preisen. Ein halbes Jahr zuvor hatten noch 9 Prozent Preissenkungen vorgesehen.
Damit hat sich das Verhältnis deutlich in Richtung steigender Preise verschoben.
Die geplanten Preiserhöhungen betreffen verschiedene Branchen, fallen jedoch in der Bauwirtschaft besonders stark aus. 63 Prozent der Bauunternehmen wollen ihre Preise innerhalb der kommenden sechs Monate erhöhen.
Gegenüber dem Herbst 2025 entspricht dies einem Anstieg um 25 Prozentpunkte. Parallel dazu hat sich der Anteil der Bauunternehmen mit geplanten Preissenkungen von 8 auf 4 Prozent halbiert.
Die Preisabsichten spiegeln die wachsende Belastung durch Energie, Materialien, Rohstoffe, Löhne und weitere betriebliche Kosten wider. Sie zeigen zugleich, dass zahlreiche Unternehmen versuchen, einen größeren Teil dieser Belastungen über ihre Verkaufspreise weiterzugeben.
Große Unterschiede zwischen den Branchen
Die allgemeinen Ergebnisse der Studie verdecken teilweise erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Wirtschaftsbereichen.
Agrarsektor
Im Agrarsektor bewerten 45 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage als schlecht oder eher schlecht. Damit ist die Stimmung hier besonders angespannt.
Auch der Ausblick fällt zurückhaltend aus. 8 Prozent erwarten eine starke Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Weitere 17 Prozent rechnen mit einer moderaten Verschlechterung.
Energiebelastung und Bürokratie werden jeweils von 80 Prozent der Unternehmen als Problem wahrgenommen.
Metall-, Kfz- und Maschinenbau
Im Metall-, Kfz- und Maschinenbau beurteilen 34 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht oder eher schlecht.
Damit liegt der Anteil zwar unter dem Wert des Agrarsektors, aber weiterhin deutlich über dem Durchschnitt des gesamten Mittelstands.
Handel
Im Handel haben sich die Geschäftserwartungen spürbar verschlechtert. 23 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer etwas schlechteren Lage. Weitere 5 Prozent erwarten eine starke Verschlechterung.
Auch die Bilanzanalyse zeigt im Handel eine besonders deutliche Verschlechterung der Eigenkapitalquote.
Chemieindustrie
Im Chemiesektor äußern sich 25 Prozent der Unternehmen eher oder deutlich pessimistisch zu ihren Geschäftserwartungen.
82 Prozent betrachten die Energiekosten als drängendes Problem. Hinzu kommen Lieferengpässe, von denen in der Chemie- und Kunststoffbranche ungefähr jedes zweite Unternehmen betroffen ist.
Bauwirtschaft
In der Bauwirtschaft fällt insbesondere die hohe Zahl geplanter Preiserhöhungen auf. 63 Prozent der Bauunternehmen beabsichtigen, ihre Preise anzuheben.
Auch bei der Bilanzqualität zeigt die Untersuchung eine vergleichsweise starke Verschlechterung der Eigenkapitalquote.
Elektroindustrie
In der Elektroindustrie zählen Lieferengpässe zu den zentralen Herausforderungen. Etwa jedes zweite Unternehmen ist davon betroffen.
Die Beschaffungslage ist damit wieder deutlich angespannter als noch im Herbst 2025, bleibt jedoch unter dem Höchststand aus dem Frühjahr 2023.

Investitionsbereitschaft Mittelstand 2026 auf Allzeittief
Beschäftigungserwartungen fallen leicht positiv aus
Trotz der gestiegenen Kostenbelastung ergibt sich bei den Beschäftigungserwartungen ein leicht positiver Saldo.
16 Prozent der Mittelständler planen, ihren Personalbestand auszuweiten. 11 Prozent wollen Stellen abbauen.
Damit gibt es mehr Unternehmen mit geplanten Neueinstellungen als Unternehmen mit Abbauplänen. Der Unterschied beträgt fünf Prozentpunkte.
Die große Mehrheit der befragten Unternehmen plant demnach weder einen deutlichen Aufbau noch einen deutlichen Abbau ihrer Belegschaft.
Die Studienherausgeber führen den positiven Beschäftigungssaldo unter anderem auf den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge zurück. Unternehmen müssen ausscheidende Beschäftigte ersetzen und offene Positionen neu besetzen.
Gleichzeitig wird der Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmen derzeit als arbeitgeberfreundlicher eingeschätzt. Der Personalaufbau ist daher nicht zwangsläufig als Ausdruck eines allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs zu verstehen.
Die Ergebnisse zeigen vielmehr ein differenziertes Bild: Während Investitionen stark zurückgehen und die Geschäftserwartungen schwach bleiben, besteht in Teilen des Mittelstands weiterhin Personalbedarf.
Auslandsengagement des Mittelstands wächst deutlich
Knapp 54 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen sind inzwischen im Ausland aktiv.
Gegenüber dem Frühjahr 2024 entspricht dies einem Anstieg um 10 Prozentpunkte.
Die Studie bringt diese Entwicklung mit der anhaltend schwachen Inlandskonjunktur in Verbindung. Unternehmen suchen verstärkt nach zusätzlichen Absatzmöglichkeiten außerhalb Deutschlands.
Nach Einschätzung der Studienherausgeber findet Wachstum und Expansion zunehmend im Ausland statt, während sich Investitionen in Deutschland häufiger auf die Sicherung bestehender Strukturen konzentrieren.
Die zunehmende Internationalisierung gehört damit zu den auffälligsten strukturellen Ergebnissen der Untersuchung.
Mehr als die Hälfte der befragten Mittelständler ist inzwischen auf ausländischen Märkten aktiv. Der deutliche Anstieg innerhalb von rund zwei Jahren zeigt, dass internationale Aktivitäten für den deutschen Mittelstand weiter an Bedeutung gewinnen.
Bilanzqualität fällt auf den niedrigsten Stand seit 2012
Neben der Befragung zur aktuellen Lage enthält die Studie eine Analyse der Jahresabschlüsse mittelständischer Unternehmen.
Der vorläufig berechnete Bilanzqualitätsindex sank für das Jahr 2025 um 10,4 Punkte auf 114,3 Punkte.
Damit liegt der Index auf dem niedrigsten Stand seit 2012.
Nach Angaben der Studie sind vor allem zwei Kennzahlen für die Verschlechterung verantwortlich: die Eigenkapitalquote und der dynamische Verschuldungsgrad. Zusammen erklären sie gut drei Viertel des gesamten Rückgangs.
Die Studienherausgeber bewerten die schwächere Bilanzqualität als Ausdruck der anhaltenden gesamtwirtschaftlichen Belastung. Hohe Kosten, schwache wirtschaftliche Dynamik und geringe Investitionsbereitschaft wirken sich zunehmend auf die finanzielle Struktur der Unternehmen aus.
Da für 2025 bislang nur rund 550 Jahresabschlüsse vorlagen, sind die Ergebnisse allerdings vorläufig. Die langfristige Datenbasis bis 2024 ist mit fast 2,6 Millionen Abschlüssen deutlich breiter.
Eigenkapitalquote sinkt auf 26,5 Prozent
Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der untersuchten Unternehmen ist um 4,2 Prozentpunkte gesunken.
Im Jahr 2024 hatte sie mit 30,7 Prozent noch einen Höchststand erreicht. Für 2025 ergibt die vorläufige Analyse nur noch einen Wert von 26,5 Prozent.
Besonders deutlich verschlechterte sich die Eigenkapitalquote im Baugewerbe und im Handel.
Der Rückgang zeigt, dass die Eigenkapitalbasis vieler mittelständischer Unternehmen schwächer geworden ist. Nach Einschätzung der Herausgeber zehren Unternehmen infolge der anhaltend hohen Belastungen zunehmend von ihren Reserven.
Die Entwicklung der Eigenkapitalquote trägt wesentlich dazu bei, dass der gesamte Bilanzqualitätsindex auf den niedrigsten Stand seit 2012 gefallen ist.
Dynamischer Verschuldungsgrad steigt auf 364,5 Prozent
Auch der dynamische Verschuldungsgrad hat sich deutlich verschlechtert.
Die Kennzahl stieg um 43,6 Prozentpunkte auf 364,5 Prozent. Als wesentliche Ursache nennt die Studie eine Zunahme des Fremdkapitals bei gleichzeitig nahezu stagnierendem Cashflow.
Der dynamische Verschuldungsgrad bildet die Schuldentilgungsfähigkeit der Unternehmen ab. Innerhalb des Bilanzqualitätsindex ist er die einzige Kennzahl, bei der ein höherer Wert eine Verschlechterung bedeutet.
Der starke Anstieg zeigt somit, dass die Verschuldung im Verhältnis zur erwirtschafteten finanziellen Leistungsfähigkeit zugenommen hat.
Zusammen mit der gesunkenen Eigenkapitalquote prägt diese Entwicklung das negative Bild der Bilanzanalyse 2025.
Künstliche Intelligenz erreicht den deutschen Mittelstand
Neben der konjunkturellen Lage untersucht die Studie auch die Nutzung digitaler Technologien.
Besonders stark ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz gestiegen. Im Jahr 2018 nutzten lediglich 8 Prozent der befragten Mittelständler entsprechende Anwendungen. Inzwischen liegt der Anteil bei 58 Prozent.
Damit hat sich die KI-Nutzung innerhalb von acht Jahren mehr als versiebenfacht.
Künstliche Intelligenz liegt nun gleichauf mit dem Internet der Dinge. Auch diese Technologie wird von 58 Prozent der Unternehmen eingesetzt.
Gleichzeitig nutzt etwa jeder sechste Mittelständler weiterhin keine der in der Studie abgefragten digitalen Technologien.
Die Ergebnisse zeigen damit zwei parallele Entwicklungen. Einerseits haben sich KI-Anwendungen in kurzer Zeit stark verbreitet. Andererseits besteht weiterhin eine Gruppe von Unternehmen, die bei den untersuchten digitalen Technologien bislang keine Nutzung angibt.
Die Studienherausgeber messen insbesondere Investitionen in KI eine hohe Bedeutung bei. Nach ihrer Einschätzung besitzt Künstliche Intelligenz das Potenzial, Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität mittelständischer Unternehmen erheblich zu beeinflussen.
Digitalisierung und KI gehören zugleich zu den wenigen Bereichen, in denen die Studie trotz der allgemeinen Investitionszurückhaltung weiterhin eine wachsende Nachfrage erkennt.
Wie erklären die Studienherausgeber das Allzeittief?
Die Herausgeber führen die geringe Investitionsbereitschaft auf mehrere gleichzeitig wirkende Belastungen zurück.
Dazu gehören insbesondere:
- schwache Nachfrage,
- steigende Energie-, Rohstoff- und Materialkosten,
- zunehmende Lieferengpässe,
- hohe Bürokratiebelastung,
- geopolitische Unsicherheit,
- schwache Zukunftserwartungen,
- verschlechterte Bilanzqualität.
Nach Einschätzung der DZ BANK konzentrieren sich viele Unternehmen derzeit stärker auf Liquidität, Kostenkontrolle und die Absicherung ihrer Lieferketten.
Investitionen in Deutschland dienen demnach häufig der Bestandssicherung. Größere Wachstums- und Expansionsvorhaben werden zurückgestellt oder zunehmend im Ausland realisiert.
Die aktuelle Geschäftslage profitiert laut Studie noch von einer zuvor verbesserten Auftragslage und höheren Auftragsbeständen. Für die kommenden Monate fehlt jedoch die notwendige Sicherheit, um eine breite Investitionsdynamik auszulösen.
Die BVR-Präsidentin sieht in der verschlechterten Bilanzqualität ebenfalls ein Abbild der wirtschaftlichen Schwäche. Unternehmen verbrauchen Reserven, leiden unter hohen Kosten und verzichten häufiger auf Investitionen.
Aus Sicht der Studienherausgeber ist das Investitionstief daher nicht nur ein kurzfristiger Stimmungswert. Es wird als Warnsignal für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland verstanden.
Ein widersprüchliches Gesamtbild des deutschen Mittelstands
Die Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“ beschreibt den deutschen Mittelstand im Frühjahr 2026 als wirtschaftlich widerstandsfähig, aber deutlich verunsichert.
Mehrere Ergebnisse wirken auf den ersten Blick widersprüchlich:
- 71 Prozent bewerten ihre aktuelle Lage positiv, aber nur 52 Prozent planen Investitionen.
- Die Geschäftslage verbessert sich, während die Zukunftserwartungen schwach bleiben.
- Die Investitionsbereitschaft fällt auf ein Allzeittief, während die KI-Nutzung stark wächst.
- Kosten und Bilanzbelastungen nehmen zu, dennoch ergibt sich bei der Beschäftigung ein leicht positiver Saldo.
- Die Inlandskonjunktur bleibt schwach, während das Auslandsengagement deutlich zunimmt.
Diese Unterschiede zeigen, dass der Mittelstand nicht als einheitlicher Block betrachtet werden kann.
Die Lage hängt stark von Branche, Kostenstruktur, Exportorientierung, Energiebedarf, Lieferketten und technologischer Entwicklung ab. Besonders belastet erscheinen der Agrarsektor, die Chemieindustrie, der Handel sowie Teile des Metall-, Kfz- und Maschinenbaus.
Gleichzeitig bestehen in einzelnen Transformationsfeldern weiterhin Wachstumsimpulse. Dazu zählen nach Einschätzung der Studienherausgeber die Energie- und Wärmewende, Verteidigung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Was ist die zentrale Aussage der Studie?
Die zentrale Aussage lautet: Der deutsche Mittelstand befindet sich nicht flächendeckend in einer akuten Geschäftskrise, hat aber deutlich an Vertrauen in die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung verloren.
Die Mehrheit der Unternehmen bewertet ihre aktuelle Lage weiterhin positiv. Gleichzeitig befinden sich Investitionsbereitschaft und Bilanzqualität auf langjährigen Tiefständen.
Steigende Energie-, Rohstoff- und Materialkosten, zunehmende Lieferengpässe, schwache Geschäftserwartungen und geopolitische Unsicherheit prägen das Bild.
Die Unternehmen reagieren darauf mit einer stärkeren Konzentration auf Bestandssicherung. Gleichzeitig gewinnen Auslandsmärkte und ausgewählte Transformationsfelder an Bedeutung.
Das Allzeittief der Investitionsbereitschaft ist daher weniger als isolierte Einzelkennzahl zu verstehen. Es steht im Zusammenhang mit einer breiteren wirtschaftlichen Entwicklung, die durch Kostenbelastungen, Unsicherheit und eine schwächer werdende finanzielle Substanz gekennzeichnet ist.
Häufige Fragen zur Mittelstandsstudie 2026
Wer hat die Mittelstandsstudie veröffentlicht?
Die Studie wurde gemeinsam von der DZ BANK und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken veröffentlicht.
Wie viele Unternehmen wurden befragt?
An der repräsentativen Befragung nahmen mehr als 1.000 mittelständische Unternehmen in Deutschland teil. Befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer.
Wann fand die Befragung statt?
Die Daten wurden vom 2. März bis zum 17. April 2026 telefonisch und online erhoben.
Wie hoch ist die Investitionsbereitschaft im Mittelstand?
52 Prozent der Unternehmen planen, in den kommenden sechs Monaten in ihren Betrieb zu investieren. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995.
Wie beurteilen die Mittelständler ihre aktuelle Geschäftslage?
71 Prozent bewerten ihre aktuelle Lage als gut oder sehr gut. 29 Prozent beurteilen sie als eher schlecht oder schlecht.
Wie sind die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate?
26 Prozent erwarten eine Verbesserung. 20 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Die Erwartungen stagnieren damit auf einem schwachen Niveau.
Was ist das größte Problem des Mittelstands?
74 Prozent der Unternehmen nennen Bürokratie als wesentlichen Belastungsfaktor. Damit bleibt sie das meistgenannte Problem.
Wie stark belasten die Energiekosten?
67 Prozent der Unternehmen sehen Energiekosten als Problem. Im Herbst 2025 waren es noch 53 Prozent.
Wie viele Unternehmen leiden unter Lieferengpässen?
31 Prozent berichten von Produktmangel oder verspäteten Lieferungen. Das sind 13 Prozentpunkte mehr als im Herbst 2025.
Wie viele Mittelständler planen Preiserhöhungen?
43 Prozent wollen ihre Preise innerhalb der kommenden sechs Monate erhöhen. Nur knapp 5 Prozent rechnen mit sinkenden Preisen.
Wie entwickelt sich die Beschäftigung?
16 Prozent der Unternehmen wollen ihren Personalbestand ausweiten. 11 Prozent planen einen Stellenabbau. Daraus ergibt sich ein leicht positiver Beschäftigungssaldo.
Wie viele Mittelständler sind im Ausland aktiv?
Knapp 54 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über Auslandsaktivitäten. Das sind 10 Prozentpunkte mehr als im Frühjahr 2024.
Wie hat sich die Bilanzqualität entwickelt?
Der vorläufige Bilanzqualitätsindex sank für 2025 um 10,4 Punkte auf 114,3 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit 2012.
Wie hoch ist die durchschnittliche Eigenkapitalquote?
Die durchschnittliche Eigenkapitalquote sank von 30,7 Prozent im Jahr 2024 auf vorläufig 26,5 Prozent im Jahr 2025.
Wie verbreitet ist Künstliche Intelligenz im Mittelstand?
58 Prozent der befragten Unternehmen nutzen inzwischen Künstliche Intelligenz. Im Jahr 2018 waren es erst 8 Prozent.
Investitionsschwäche trifft auf steigende Kosten und schwächere Bilanzen
Die Mittelstandsstudie von DZ BANK und BVR zeigt ein vielschichtiges Bild der deutschen Wirtschaft im Frühjahr 2026.
Die Investitionsbereitschaft ist so niedrig wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 1995. Gleichzeitig bleiben die Geschäftserwartungen schwach, während Energie-, Rohstoff- und Materialkosten sowie Lieferengpässe deutlich an Bedeutung gewinnen.
Die aktuelle Geschäftslage wird von einer klaren Mehrheit dennoch positiv bewertet. Auch die Beschäftigungserwartungen ergeben einen leicht positiven Saldo.
Parallel dazu steigt das Auslandsengagement des Mittelstands, und die Nutzung Künstlicher Intelligenz hat sich seit 2018 massiv ausgeweitet.
Besondere Aufmerksamkeit erhält in der Studie die verschlechterte Bilanzqualität. Die Eigenkapitalquote ist deutlich gesunken, während der dynamische Verschuldungsgrad gestiegen ist. Der Bilanzqualitätsindex erreicht dadurch den niedrigsten Stand seit 2012.
Insgesamt beschreibt die Untersuchung einen Mittelstand, der operativ in vielen Fällen noch stabil ist, bei langfristigen Entscheidungen jedoch große Vorsicht zeigt. Das Allzeittief der Investitionsbereitschaft steht damit beispielhaft für die Unsicherheit, die den wirtschaftlichen Ausblick prägt.
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